Narrationsgedanken

Le symbole constitue la réalité humaine. (J. Lacan)

Vergebungsbegehren als Gravitationsfeld in Another Earth

Marcel Levermann - Nov• 28•16

So wie die Erde in Another Earth eine vermeintliche Kopie ihres Gleichen anzieht, so gilt die Gravitation des Films dem Beweggrund der Vergebung. Die Protagonistin Rhoda Williams verursacht einen Autounfall mit tödlichem Ausgang, der ein ganzes Familienleben beendet. Der einstige Professor und Familienvater John Burroughs liegt lange Zeit im Koma und vegetiert danach depressiv und alkoholkrank vor sich hin. Williams fühlt sich nach offiziell verbüßter Strafe innerlich kalt und derealisiert und legt sich in die eiskalte Nacht um zu sterben. Ihr interner Zustand wird unmittelbar mit der kontextualen Konfiguration des Plots in Einklang gebracht. Das Säubern der Schule (sie übernimmt einen Job als Putzkraft) repräsentiert den Versuch, der Vergangenheit zu entkommen. Das Vergangene soll ungeschehen gemacht, gereinigt werden. (mehr …)

Der Distelfink als Objekt klein a in Donna Tartts gleichnamigem Roman

Marcel Levermann - Nov• 03•16

Das unerreichbare Ziel, worauf sich ein aus einem Mangelgefühl hervorgehendes individuelles Begehren richtet, nennt Jacques Lacan „Objekt klein a“. Was Lacan als kleines anderes (im Sinne Lacans hier mit kleinem a) auffasst, ist jener Gehalt im Anderen, der als Ähnliches oder Spiegelbildliches der Imaginären Ordnung angehört. Das kleine andere ist wesentlich mit dem Ich verbunden und in einer Beziehung verfasst, die immer reflexiv und imaginär austauschbar ist. Das Objekt klein a ist dementsprechend jedes Objekt, das als begehrenswert angesehen wird und als unerreichbares Zielobjekt des nicht tilgbaren Überschusses das Begehren unstillbar in Bewegung setzt.

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Breakthrough – Übereinstimmungen des Plots von Contact und der subjektiv erlebten Wirkung von Dimethyltriptamin

Marcel Levermann - Nov• 03•16

In dem Film Contact (1997) stellt die Protagonistin Ellie Arroway im Rahmen des SETI-Projekts Kontakt zu einer außerirdischen Intelligenz her. Diese übermittelt ihr Pläne für eine Konstruktion, die es mutmaßlich ermöglicht, zu deren Planeten zu reisen. Das Gefährt wird gebaut und Arroway darf es ausprobieren. Was sie dann erlebt, stimmt in erstaunlich vielen Punkten mit anekdotischen Berichten der Wirkung von Dimethyltriptamin (DMT) auf den menschlichen Geist überein. DMT ist mutmaßlich in allen Lebewesen enthalten, sprich eine körpereigene Substanz, und strukturell simpler als Serotonin (quasi nicht viel mehr als eine Aminosäure). Gleichzeitig ist es bei exogener Zuführung die psychedelisch wirksamste Substanz und evoziert visionäre Zustände unbegreiflichen Ausmaßes. Bei einer hohen Dosis kann es zu einem sogenannten Breakthrough kommen. In diesem Fall wird die Alltagsrealität komplett aufgehoben und dem jeweiligen Bewusstsein erschließt sich eine neue Dimension. Die beste Analogie hierzu wäre ein ungemein plastischer Traum. Was nun erlebt Ellie, das auch der DMT-Reisende gegebenenfalls zu erleben vermag? Die folgenden Punkte stellen ihre Reise diesbezüglich chronologisch dar.

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The Lobster als dystopische Hyperbel moderner Entfremdung

Marcel Levermann - Mrz• 18•16

The Lobster The Lobster erzählt von einer dystopischen Gesellschaft, in der Menschen nur in Paaren öffentlich leben und agieren dürfen. Wer seinen Partner verliert oder keinen findet, wird in ein Hotel einquartiert. Dort hat er eine festgelegte Zeitspanne zur Verfügung, einen Partner zu finden. Bleibt dies ohne Erfolg, wird er in ein Tier verwandelt. Die einzige Alternative wäre, sich als Individualist in den Wäldern aufzuhalten, unter der Gefahr, wie ein Tier von den Hotelinsassen gejagt zu werden. Was auf den ersten Blick als Phantasiegeschichte anmutet, ist eine zugespitzte Allegorie auf die Funktionsweise menschlicher Denkweisen in der zivilisierten Welt. The Lobster ist eine Hyperbel der modernen Entfremdung.

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